Rechtsmotivierte und rassistische Gewalt in Sachsen 2016

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Rechtsmotivierte und rassistische Gewalt in Sachsen im Jahr 2016

Rechtsmotivierte und rassistische Angriffe in Sachsen im Jahr 2016

Im Jahr 2016 zählten die Opferberatungsstellen in Sachsen 437 Angriffe. Damit sank die Zahl der Angriffe im Vergleich zum Vorjahr (477) um ca. 15 %. Von diesen 437 Angriffen sind 685 Personen direkt betroffen gewesen. Größtenteils sind das Männer (434), auffällig häufig waren im Jahr 2016 aber auch Kinder betroffen (73).

Rechtsmotivierte und rassistische Angriffe 2016 Rechtsmotivierte und rassistische Angriffe 2009 bis 2016 Geschlecht der von Angriffen 2016 Betroffenen

Schwerpunkte der Gewalt waren im Jahr 2016 erneut die Städte Dresden (114) und Leipzig (50)1 sowie die Landkreise Leipzig (45) und Bautzen (51). Im Landkreis Bautzen hat sich die Zahl der Angriffe im Vergleich zum Vorjahr sogar verdreifacht. 37 der Angriffe im Landkreis wurden in der Stadt Bautzen verübt. Auch in den Landkreisen Görlitz und Zwickau war eine Zunahme der Gewalt zu verzeichnen. Zurückgegangen bzw. gleich geblieben sind die Angriffe hingegen in allen anderen Landkreisen.

Der Großteil der Angriffe war rassistisch motiviert (306). Im Vergleich zum Vorjahr (285) stieg die Zahl rassistisch motivierter Angriffe sogar an. Deutlich gesunken sind hingegen die Angriffe auf politische Gegner_innen von 141 im Jahr 2015 auf 62 im Jahr 2016. Dies liegt insbesondere am Rückgang der Demonstrationen, in deren Umfeld es am häufigsten zu Angriffen gegen politische Gegner_innen kam. 2015 fanden neben den wöchentlichen Pegida Demonstrationen in Dresden und Legida Aufmärschen in Leipzig zahlreiche Demosntrationen gegen die Unterbringung von Asylsuchenden in ganz Sachsen statt. Auch Angriffe auf Journalist_innen wurden im Jahr 2016 weniger verübt als im Jahr zuvor. Waren unter den 141 Angriffen gegen politische Gegner_innen noch 20 Attacken auf Journalist_innen, waren es 2016 nur noch 9.

Überwiegend handelte es sich bei den Angriffen um Körperverletzungsdelikte (301) darunter 152 gefährliche, 147 einfache und 2 schwere Körperverletzungen. Auch 22 Brandstiftungen wurden im Jahr 2016 wieder verübt, 19 davon richteten sich gegen Asylsuchendenunterkünfte.

Rechtsmotivierte und rassistische Angriffe nach Landkreisen und kreisfreien Städten 2015 und 2016 Rechtsmotivierte und rassistische Angriffe nach Tatmotiv 2016 Rechtsmotivierte und rassistische Angriffe nach Straftatbestand 2016

Die Gewalt gegen Asylsuchendenunterkünfte ist im Vergleich zum Vorjahr zurück gegangen. Wurden 2015 noch 74 Angriffe verübt, waren es 2016 noch 53. Auch im Umfeld von Demonstrationen gingen die Angriffe zurück von 72 auf 27. Bei den Asylunterkünften handelt es sich sowohl um bewohnte, als auch unbewohnte, sowohl um zentrale als auch dezentrale Unterkünfte. Unter den 53 Angriffen auf Asylunterkünfte waren wie bereits 2015 19 Brandstiftungen. Am häufigsten wurden in der Stadt Leipzig und im Landkreis Bautzen Asylunterkünfte angegriffen. Auch die meisten Brandstiftungen wurden hier verübt.

Rechtsmotivierte und rassistische Angriffe nach Angriffsort 2016 Rechtsmotivierte und rassistische Angriffe auf Asylunterkünfte 2016 Rechtsmotivierte und rassistische Angriffe auf Asylunterkünfte nach Landkreisen und kreisfreien Städten 2016

Beratung von Betroffenen rechtsmotivierte und rassistischer Angriffe 2016

Die Opferberatungsstellen des RAA Sachsen e.V. unterstützten im Jahr 2016 in insgesamt 314 Beratungsfällen. In diesen Beratungsfällen wurden 430 Betroffene und 83 Andere Personen (Angehörige, Freund_innen, Zeug_innen …), also insgesamt 513 Menschen beraten. Die 314 Beratungsfälle basieren auf 230 Angriffen. In 84 Fällen lag kein Angriff im Sinne unserer Gewaltdefinition zugrunde, sondern es gab einen anderen Beratungsanlass, wie Bedrohungen unterhalb der Gewalttat, Beleidigung, Diskriminierung oder rechtliche Fragen. Zu den Beratungstätigkeiten der Opferberatungsstellen gehören vor allem psychosoziale Beratungen, die Begleitung zur Polizei oder zu Gerichtsverfahren. Außerdem vermitteln und begleiten die Berater_innen zu Rechtsanwält_innen oder auch Psycholog_innen. In vielen Fällen ist die Organisation von Dolmetschern notwendig.

Die 230 Angriffe, die den 314 Beratungsfällen zugrunde liegen, stammen nicht alle aus dem Jahr 2016. Es können ebenso Angriffe aus vergangenen Jahren sein, deren Betroffene jedoch noch immer von den Beratungsstellen betreut werden. Ein Beratungsfall kann sich je nach polizeilicher Aufklärung, juristischer Strafverfolgung oder notwendiger psychosozialer Beratung über mehrere Jahre erstrecken. Entscheidend für das Einfließen in die hier vorliegende Beratungsstatistik ist mindestens eine im Jahr 2016 erfolgte Beratungstätigkeit.

Beratungsfälle der Opferberatung des RAA Sachsen e.V. im Jahr 2016 Beratungsanlass der Beratungsfälle ohne zugrunde liegenden Angriff im Jahr 2016 Beratungsfälle mit zugrunde liegenden Angriff nach Jahren

Die 430 Betroffenen, die im Jahr 2016 durch die Opferberatungsstellen begleitet und unterstützt wurden, sind zum Großteil aus rassistischen Motiven angegriffen worden. Zum überwiegenden Teil waren sie Opfer von Körperverletzungen.

Beratungsnehmende im Jahr 2016 nach Betroffenengruppe Straftatbestände der den Beratungsfällen im Jahr 2016 zugrunde liegenden Angriffe

Die insgesamt 513 Beratungsnehmenden, gleich welchen Beratungsanlasses, waren zu 60 % männlich und zwischen 18 und 26 oder 27 und 40 Jahren alt. Auch 16 Kinder und 49 Jugendliche wurden beraten.

Geschlecht der Beratungsnehmenden im Jahr 2016 Alter der Beratungsnehmenden im Jahr 2016

In der Beratungsstatistik des RAA Sachsen e.V. werden Fälle, die durch den RAA Leipzig e.V. beraten werden, nicht berücksichtigt. In der Stadt Leipzig bieten sowohl der RAA Sachsen e.V. als auch der RAA Leipzig e.V. Beratung für Betroffene rechtsmotivierter und rassistischer Gewalt an.

1 Die statistische Erhebung für die Stadt Leipzig erfolgt gemeinsam mit dem RAA Sachsen e.V.

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