Hate Crimes in Europa – Die Betroffenen unterstützen und stärken!

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Rechte, rassistische und antisemitische Gewalt bzw. Hate Crimes sind eine Gefahr für das friedliche Zusammenleben aller Menschen in Europa. Jedes Jahr werden in den Staaten Europas tausende Menschen aus rassistischen, antisemitischen, homophoben oder sozialdarwinistischen Motiven eingeschüchtert und verletzt, viele sogar getötet. Allein für das Jahr 2012 zählte das Büro für Menschenrechte der OSZE mehr als 56.000 Hate Crimes in Europa.

Es muss jedoch von einer weitaus höheren Dunkelziffer ausgegangen werden, da Hate Crimes in den Kriminalitätsstatistiken der europäischen Staaten meist nur unzureichend erfasst sind. Ursächlich sind unterschiedliche Zählweisen, verschiedene Definitionen des Phänomens Hate Crime sowie erhebliche Unterschiede im Problembewusstsein. Eine Studie der Agentur für Menschenrechte der Europäischen Union (FRA) unter 23.500 Menschen mit Migrationshintergrund in Europa ergab, dass jeder vierte in den vergangenen zwölf Monate von einem Hate Crime betroffen war.

In Europa richten sich Hate Crimes vor allem gegen als „Ausländer“, „Roma oder Sinti“ oder „Juden“ wahrgenommene Personen, gegen Menschen, deren (vermeintliche) sexuelle Orientierung oder Identität von den Angreifern abgelehnt wird, gegen religiöse Minderheiten, Menschen mit Behinderungen oder Wohnungslose, zum Teil aber auch gegen Personen, die sich gegen Rechtsextremismus und Nationalismus engagieren oder sich aktiv für Demokratie und Menschenrechte einsetzen.

Die Auswirkungen von Hate Crime sind fatal. Sie richten sich immer gegen das einzelne Individuum als Vertreter_in einer missliebigen Gruppe, gegen die Gruppen als Ganze wie auch gegen grundlegende Werte europäischer Gesellschaften. Der Kampf gegen Hate Crime und Diskriminierung kann deshalb nur als gesamteuropäische Querschnittsaufgabe sein.

Eine wichtige Aufgabe stellt dabei die Stärkung und Unterstützung der Betroffenen dar. Der besondere Charakter von Hate Crime, die Dimensionen der Gewalt und die oft schwerwiegenden Folgen für die Betroffenen legitimieren professionelle und spezialisierte Unterstützungs- und Beratungsangebote.

Ein großes Problem ist, dass schätzungsweise 75 Prozent der Übergriffe weder der Polizei noch unabhängigen beratenden Organisationen bekannt werden. Das liegt zum einen daran, dass staatliche Institutionen mit unter als Teil des Problems angesehen werden müssen und Betroffene weitere Diskriminierungen und Viktimisierungen im Kontakt mit den Behörden befürchten. Zum anderen fehlt es in fast allen Ländern Europas an einem spezialisierten, flächendeckenden Beratungs- und Unterstützungsangebot für Hate Crime-Betroffene.

Um den besonderen Bedürfnissen der Betroffenen von Hate Crime gerecht werden zu können, braucht es ein gesteigertes Problembewusstsein in den Gesellschaften Europas, insbesondere bei den Ermittlungs- und Justizbehörden und die kritische Auseinandersetzung mit den für die Gewalt ursächlichen Einstellungen. Weiterhin muss Betroffenen in allen Ländern Europas der Zugang zu spezialisierte Beratungsstellen gewährleistet werden. Beratungsstellen müssen professionell und unabhängig im Sinne der Betroffenen handeln und agieren können. Bereits exisitierende Beratungsstellen sind auf eine solide Finanzierung wie auch auf gesellschaftlichen Rückhalt für ihre Arbeit angewiesen. Mit ihrem Knowhow helfen sie nicht nur den Betroffenen, sie tragen auch dazu bei die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in denen marginalisierte Gruppen Ziel von Gewalt und Ausgrenzung werden, zum Positiven zu verändern.

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